Immobilie als Kapitalanlage: So rechnet die Bank

Eine Immobilie als Kapitalanlage wird anders geprüft als das Eigenheim: Beim Eigenheim fragt die Bank, ob Ihr Haushalt die Rate trägt – beim Vermietungsobjekt fragt sie zusätzlich, ob sich das Objekt selbst trägt. Wer diese Rechnung kennt, bewertet Angebote realistischer und verhandelt besser.

Drei Käufer, drei Blickwinkel

  • Eigenheimkäufer: Es zählt die dauerhafte Tragbarkeit der Rate aus dem Erwerbseinkommen und die Zinssicherheit – Rendite ist Wohnwert, nicht Cashflow. Werkzeuge: Kapitaldienst-Selbstcheck und Kombi-Check.
  • Kapitalanleger (1 bis 3 Wohnungen): Es zählt die Objektrechnung – Mietertrag gegen Bewirtschaftung und Kapitaldienst – plus die Frage, ob eine Unterdeckung aus dem Gehalt tragbar wäre. Steuerliche Effekte (AfA, Werbungskosten) verbessern die Nachsteuer-Betrachtung, gehören aber in die Steuerberatung.
  • Investor (Mehrfamilienhaus, Portfolio): Die Bank prüft objektbezogen wie bei Firmenkunden: nachhaltiger Reinertrag, Kapitaldienstdeckung, Mieterstruktur, Instandhaltungsstau – und ein Stress-Szenario auf Basis vorsichtiger Werte.

So rechnet die Bank ein Vermietungsobjekt

Der Kern ist eine Ertragsrechnung in klaren Stufen:

PositionÜblicher Ansatz
Jahresnettomiete (Kaltmiete × 12, alle Einheiten)geprüft gegen Mietverträge und Mietspiegel
− Instandhaltungca. 12 € je m² und Jahr
− Verwaltungca. 300 € je Wohneinheit und Jahr
− Mietausfallwagnisca. 2 % (Wohnen) bzw. 4 % (Gewerbe) der Jahresmiete
= Jahresreinertragder nachhaltig verfügbare Ertrag
− Kapitaldienst (Zins + Tilgung)aus dem Finanzierungsvorschlag
= Über- oder Unterdeckungdie entscheidende Zahl

Dazu kommt ein Stress-Szenario („bad case“): vorsichtigere Mieten, höhere Ausfallansätze – denn der Kredit läuft auch, wenn zwei Wohnungen leer stehen. Eine Unterdeckung ist kein automatisches Nein, wandert aber in Ihre private Haushaltsrechnung. Beides können Sie selbst durchspielen: im Objektrentabilitäts-Check.

Die wichtigsten Kennzahlen

  • Bruttomietrendite = Jahresnettomiete ÷ Gesamtinvestition (inklusive Nebenkosten!). Schneller Vergleichsmaßstab, aber blind für Kosten.
  • Nettomietrendite = Jahresreinertrag ÷ Gesamtinvestition. Die ehrlichere Zahl.
  • Kapitaldienstdeckung = Jahresreinertrag ÷ Kapitaldienst. Über 1,0 trägt sich das Objekt; Banken sehen gern Puffer darüber.
  • Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahresnettomiete – das Vielfache der Jahresmiete, regional sehr unterschiedlich.

Sonderfall Ferienwohnung

Bei Ferienimmobilien ersetzt ein Saisonmodell die Jahresmiete: Wochen je Saison × Auslastung × Wochenpreis ergeben den Umsatz, davon gehen Plattformgebühren, Reinigung und Verwaltung ab – realistisch 25 bis 35 %. Banken rechnen hier besonders vorsichtig, weil Auslastung und Preise schwanken und die Vermietung aktiver Arbeit entspricht. Der Ferienwohnungs-Ertrags-Check stellt das Saisonmodell der Langzeitvermietung gegenüber.

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Grundlage: bankübliche Bewirtschaftungsansätze der Objektrentabilitätsrechnung; § 505b BGB (Kreditwürdigkeitsprüfung). Stand: August 2026. Allgemeine Bildungsinhalte, keine Anlage- oder Steuerberatung; alle Angaben ohne Gewähr.